weil die Natur, in Form von schlechter Sicht oder günstiger Strömung, oder die Schwierigkeit, grosse Wasserflächen zu überwachen, für sie unter Umständen ein Vorteil hätte sein können, oder weil, wie in diesem Fall, es leichter war, das Küstengebiet heimlich zu erforschen als die vom Land eingeschlossenen Sperrgebiete im Westen oder Südwesten, in denen eine geradezu paranoide Atmosphäre herrschte.

Der Mut derer, die von kommunistischer Unterdrückung in die Freiheit zu flüchten suchten, hat sich in den letzten Jahrzehnten auf die verschiedensten Arten geäussert. Er reicht von der Entschiedenheit, mit der ein einzelner plötzlich von einem Moment auf den anderen eine Chance ergreifen konnte, wobei er oder sie nichts anderes riskierte als sein oder ihr eigenes Leben, bis hin zu dem Vertrauen, das nötig ist, um sich auf einen Fluchtweg zu begeben, der grösstenteils von Freunden oder Hilfsagenturen im Westen zusammengestellt oder finanziell erleichert wurde, und einfach darauf zu vertrauen, dass man nicht agents provocateurs in die Hände gefallen war.

Es gab aber auch den kollektiven Mut, mit dem ganze Familien oder Gruppen von ähnlich gesinnten Menschen nicht nur ihr eigenes individuelles Leben, sondern das Leben der anderen aufs Spiel setzten. Das ist auch der Fall bei dem Fluchtversuch, der in »Aber nicht übers Wasser« rekonstruiert wird. Alle Eltern werden mit den extrem schwierigen Entscheidungen, die von Alfred und Renate Kostbade gefällt werden mussten, sympathisieren. Das schwierige Problem, wie sie ihre Kinder zuerst in den skizzenhaften Plan einweihten, ihnen die Gründe erklärten und sie schliesslich überzeugten; das Problem des Risikos, in das sie ihre anderen Verwandten und ihren Freundeskreis bringen würden. Dazu kam eine Vielzahl von pragmatischen Herausforderungen der Feinabstimmung und Ausführung des Plans, Risiken, die nicht nur den Vater und die Mutter selbst betrafen,