Einleitung zum Buch Die eigentliche Geschichte, die in Lotte Couchs »Aber nicht übers Wasser« erzählt wird, handelt in erster Linie von Mut und grossem menschlichen Einfallsreichtum. Umso angebrachter ist es daher, dass diese dramatischen Ereignisse aus der Sicht einer dritten Person erzählt werden, und nicht von den Kostbades selbst, um deren risikoreiches Abenteuer es hier geht. Denn zu der Zeit, zu der sich deren Abenteuer zutrug, war das Unterfangen, aus Ostdeutschland auf einem dürftigen Boot kreuz und quer zuerst vom Ostseebad Kühlungsborn nordöstlich in die Ostsee und dann weiter westlich zur bundesdeutschen Insel Fehmarn zu flüchten, in der Tat eine grosse Leistung. Die Sicherheitsmassnahmen im Sperrgebiet der DDR und die zahlreichen lokalen Sicherheitsvorkehrungen, die es den Bürgern unmöglich machen sollten, eine Lücke in der »Mauer Ostsee« (S. 58) zu finden, waren so rücksichtslos und raffiniert, dass es in den relativ seltenen Fällen, die in der Folge chronologisiert wurden, genau soviel Glück wie Vor- und Umsicht bedurfte, damit der Fluchtversuch in die Freiheit auch gelang. Wie wir in der folgenden Geschichte hören werden, war es strengstens verboten, sich ohne einen sogenannten »Passierschein« im Sperrgebiet aufzuhalten. Zudem gab es ein Ausgehverbot und eine Strandsperre ab 21 Uhr. Die praktischen Hindernisse, die eine Flucht unmöglich machen sollten, waren genauso entmutigend, wie der Preis, der bezahlt werden musste, wenn man auf der Flucht erwischt wurde. Dennoch gab es bis zum Ende der DDR eine kleine Gruppe von Bürgern, die entweder alleine oder in gut organisierten Gruppen (und damals nur in sehr seltenen Fällen mit Hilfe aus dem Westen) gewillt waren, in einem verzweifelten Versuch den Westen zu erreichen, ihre Sicherheit - und in der Mehrheit der Fälle sogar ihr Leben - dafür zu riskieren. Wenn sie es nicht schafften, drohte |