ihnen eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und sie gefährdeten ihre berufliche Laufbahn bis an ihr Lebensende. Wenn sie es schafften, mussten sie mit Sippenhaft und Strafaktionen gegen zurückgelassene Freunde und Kollegen rechnen. Die Gründe, die die Menschen zu solchen gefährlichen Fluchtversuchen veranlassten, sind in den entscheidungsbildenden Gesprächen des folgenden fiktionalisierten, aber dennoch wahrheitsgetreuen Berichts eines solchen Unternehmens genau dokumentiert.

Für diejenigen unter uns, die dieses Buch lesen, aber noch nie einen so starken Drang nach Freiheit verspürt haben und noch nie solche entmutigenden Lebensbedingungen ertragen mussten, die das mit der Flucht verbundene Risiko gerechtfertigt erscheinen liessen, ergibt sich das folgende Problem: Von der Flucht durch den Eisernen Vorhang bleibt nicht viel mehr als einerseits ein rein statistischer Wert und andererseits im Westen die politische Schadenfreude über die Unfähigkeit des anderen Deutschlands, sogar jene Bürger innerhalb seiner eigenen Staatsgrenzen zu halten, die einst an seine Ideale geglaubt haben. Allein das Wort »Republikflucht« verrät das Ausmass, zu welchem die offizielle Sprache das Unternehmen, den Gang zur Wahlurne durch die Flucht zu ersetzen, kriminalisierte. Doch alles, was die Bürger machten, die Ostdeutschland illegal verliessen, war die Ausübung des Rechts eines jeden Individuums, selbst zu entscheiden, wo man leben und wohin man reisen wollte, ein Recht, das zumindest in der Theorie, leider aber nicht in der Praxis, allen DDR-Bürgern durch die Unterzeichnung des Abkommens von Helsinki durch das DDR-Regime im Jahre 1975 garantiert wurde. In Wirklichkeit wurde man durch den Versuch, ein Deutschland für das andere zu verlassen, »... vom Sozialismus abtrünnig [ ... 1 und damit ein Feind des Friedens.« (S. 102) »Wir sind gute Menschen, saubere Menschen, die ihr hier verloren habt«, erklärt Frau Kostbade an einer Stelle in der folgenden Geschichte;